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Energiewende der Schweiz

«Das Ziel, im Jahr 2050 Netto-Null-Kohlendioxid-Emissionen zu erreichen, erfordert einschneidende Transformationen bei der Bereitstellung und dem Verbrauch von Energie in beinahe allen Bereichen», schreibt das Paul Scherrer Institut (PSI).

Kohlendioxid: Netto-Null-Ziel bis 2050 erfordert radikale Umstellungen – und wird kostspielig.

Die zentralen Schlussfolgerungen einer Studie des Paul Scherrer Instituts, die im Rahmen der Joint Activity «Scenarios and Modelling» der 8 Swiss Competence Centers for Energy Research (SCCER) durchgeführt wurde, sind ernüchternd. Demnach muss sich die installierte Kapazität von Photovoltaikanlagen mindestens jedes Jahrzehnt bis 2050 verdoppeln, um die Klimaziele der Schweiz zu erreichen.

Im Hauptszenario zur Erreichung des Netto-Null-Emissionsziels steigt die Stromerzeugung aus Kraftwerken und Speicheranlagen in der Schweiz gegenüber heute um etwa ein Fünftel auf 83 Terawattstunden im Jahr 2050 an. Die private Autoflotte müsste grösstenteils auf elektrischen Antrieben basieren.

Zusätzlich müsste der Einsatz von Wärmepumpen im Dienstleistungs- und Wohnbereich deutlich beschleunigt werden, sodass bis 2050 fast drei Viertel des Heizungs- und Warmwasserbedarfs dadurch gedeckt werden. Gleichzeitig wäre es notwendig, deutliche Energieeinsparungen durch beschleunigte Renovierungen von Wohngebäuden zu erzielen.

Deutlich höherer Stromverbrauch

Wie das PSI weiter mitteilt, müsse «mit einem deutlichen Anstieg des Stromverbrauchs gerechnet werden». So könnte im Jahr 2050 der Stromverbrauch um 20 Terawattstunden über dem heutigen Niveau liegen. «Ein wesentlicher Treiber für dieses Wachstum ist die Verwendung von Strom für den Antrieb von Autos, Bussen und Lastkraftwagen, entweder direkt über batterieelektrische Fahrzeuge oder indirekt über Wasserstoff oder sogenannte E-Fuels, also synthetische Kraftstoffe, die unter anderem mittels Strom aus Wasserstoff und Kohlendioxid (CO2) hergestellt werden», heisst es.

Weitere Energieformen

Neben elektrischer Energie werden laut dem PSI weitere Energieformen eine Rolle spielen. «So bieten beispielsweise der Fern- und Güterverkehr sowie die energieintensive Industrie Perspektiven für neue Wasserstoffanwendungen.» Allerdings: «Um den dafür benötigten Wasserstoff emissionsarm oder -frei zu produzieren, wäre eine erhebliche Menge an nachhaltig erzeugtem Strom (9 Terawattstunden in 2050) notwendig.»

Abscheidung von Kohlendioxid

«Wenn die Schweiz das Null-Emissions-Ziel bis 2050 erreichen will, dann müssen die CO2-Emissionen in Zukunft im Durchschnitt jedes Jahr um eine bis anderthalb Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahr verringert werden», sagt Evangelos Panos, Hauptautor der Studie. Darum sollte auch der Einsatz von Technologien mit der sogenannten CO2-Abscheidung in Betracht gezogen werden.

Kosten «sehr schwer abschätzbar»

Zurückhaltend äussern sich die Energiesystemforscher des PSI in Bezug auf die Kosten des Unterfangens. Diese seien «sehr schwer abschätzbar, weil dabei enorm viele Komponenten eine Rolle spielen», so Tom Kober, Leiter der PSI-Forschungsgruppe Energiewirtschaft und einer der Hauptautoren der Studie.

Betrachte man alle untersuchten Szenarien, so sehe man eine Bandbreite der durchschnittlichen Kosten zwischen 200 und 860 Franken pro Jahr und Kopf. Der Verlauf der Kosten zeige vor allem eine langfristige Zunahme, «sodass vergleichsweise hohe Kosten auch nach 2050» zu erwarten seien.

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