Politik

Mehr Schaden als Nutzen

Mit hohen CO2-Abgaben will ein Teil der Schweizer Politik das Klima schützen. Geplant sind auch CO2-Abgabe bei Flügen. Experten äussern sich dazu sehr kritisch. Solche Abgaben nützen dem Klima nichts und schaden dem Standort Schweiz.

  • Die Politik will mit einer CO2-Abgabe auf Flugtickets das Klima schützen. So soll weniger geflogen werden.
  • Die Basis für die Klima-Steuer sind schlechte Prognosen und ungenügende Modellrechnungen.
  • Experten sagen: CO2-Abgaben auf Flugtickets nützen dem Klima nichts. Sie schaden aber dem Standort Schweiz massiv.

Aufgrund der Coronakrise liegt die gesamte Flug- und Reisebranche im wahrsten Sinn des Wortes am Boden. Die meisten Fluggesellschaften mussten den Betrieb kurzzeitig einstellen, denn sowohl Tourismus als auch die Geschäftsfliegerei wurden komplett heruntergefahren. Die Branche hat einen sehr steinigen Weg vor sich, bis sie wirtschaftlich wieder Fuss fassen kann.

Die Schweizer Politik will dagegen das Fliegen künstlich verteuern. Eine Flugticketabgabe soll dafür sorgen, dass die Schweizerinnen und Schweizer weniger fliegen. Bei Kurzstrecken soll die Lenkungsabgabe 30 Franken betragen, bei Langstreckenflügen 120 Franken. Die Gelder sollen einen Klimafonds speisen.

Zu einfache Modelle und falsche Annahmen

Hohe Abgaben auf Flugtickets nützen dem Klima nichts und schaden dem Standort Schweiz massiv (Foto: Flughafen Zürich AG).

Die Idee, dass Abgaben auf Flugtickets das Klima schützen, basieren auf Prognosen des Bundesamtes für Umwelt. Diese Prognose geht von «enorm vereinfachten Annahmen» aus, heisst es in der NZZ am Sonntag. Experten sind deshalb sehr kritisch. Es ist zu bezweifeln, dass auf diese Weise eine CO2-Reduktion erreicht werden kann.

Fallen Schweizer Passagiere weg, dann müssen die Airlines reagieren. Zum Beispiel indem sie versuchen, Umsteigepassagiere aus dem Ausland zu gewinnen. Diese bezahlen auf ihre Tickets keine Ökoabgaben. Schweizer hingegen werden für ihre Langstreckenflüge Umsteigeangebote buchen. Sie fliegen dann also über Paris nach Südamerika. Oder: Sie entscheiden sich gleich für den Flughafen München.

Experten zeigen sich konsterniert

«Es ist frustrierend zu sehen, wie Gesetze entworfen werden, ohne wesentliche Zusammenhänge im Bereich zu verstehen oder sie absichtlich zu ignorieren», lässt sich Andreas Wittmer, Professor für Aviatik an der Universität St. Gallen, in der NZZ zitieren.

Weiter droht die Gefahr, dass der Flughafen Zürich durch die unsinnige Abgabe geschwächt wird. Das hat dann Auswirkungen auf die Wirtschaft und den Standort Schweiz, weil der Anschluss an die globale Welt geschwächt wird. Gut möglich, dass Fluglinien geschlossen werden.

Gemäss NZZ am Sonntag wird diese Einschätzung auch von internationalen Experten wie der Beratungsfirma Intraplan geteilt. Sie stellen sich auf den Standpunkt, dass Ausweicheffekte bei Passagieren und Airlines die Minderung des CO2-Ausstosses «zunichte machen». Bereits heute – auch das betonen die Experten von Intraplan – hat der Flughafen Zürich einen sehr schweren Stand. Er kann nur mit grosser Anstrengung seine Wettbewerbsfähigkeit sicherstellen. «Die Klima-Abgabe hat ein erhebliches Schadenpotential», erklären die Experten in der NZZ am Sonntag.

Am Schluss wird also die Wirtschaft sowie der Standort Schweiz geschwächt und dem Klima nicht geholfen. Auch die NZZ am Sonntag schreibt: «Es ist fraglich, inwiefern die CO2-Abgabe dem Klima wirklich nützt.»

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