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Muss Strom bald rationiert werden?

Der Schweiz droht ab 2025 eine Strommangellage. So lautet das Fazit einer im Auftrag des Bundes erstellten Studie. Für Wochen oder sogar Monate könnte zu wenig Strom zur Verfügung stehen. Grund dafür ist die zu geringe Stromproduktion im Winter sowie fehlende Import- und Speichermöglichkeiten. Ins Bewusstsein rückt damit eine ganz besondere Eigenschaft von flüssigen Energieträgern wie Heizöl: Sie sind lagerfähig.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Eine Studie im Auftrag des Bundes warnt vor Stromknappheit in der Schweiz ab 2025.
  • Aufgrund veränderter Rechtslage in der EU, wird die Schweiz im Winter künftig wohl weniger Strom importieren können. Es droht eine Strommangellage.
  • Die prekäre Strom-Versorgungslage rückt ein ganz besonderes Merkmal von Heizöl in den Vordergrund: Der Energieträger ist lagerbar.

Das Thema Stromknappheit ist definitiv in den Schweizer Medien angekommen. So berichten diverse Zeitungen über die sich anbahnenden Probleme bei der Energieversorgung. Im «Tages-Anzeiger» zeigt sich Bundesrat Guy Parmelin besorgt: «Eine Strommangellage ist neben der Pandemie die grösste Gefahr für die Versorgung der Schweiz.» Auslöser ist eine vom Bund in Auftrag gegebene Studie zum künftigen Stromhandel mit der EU. Aufgrund sich ändernder Regeln innerhalb der EU, läuft die Schweiz ab 2025 Gefahr, nicht mehr genügend Strom vom benachbarten Ausland importieren zu können.

Weniger Strom aus der EU

Besonders prekär ist die Situation im Frühling. Dann sind die meisten Stauseen leer und es kann nicht genügend Strom importiert werden. Der Schweiz fehlt einerseits ein Stromabkommen mit der EU, in dem der Stromhandel geregelt ist. Andererseits werden viele EU-Staaten in Zukunft aufgrund der Energiewende selbst weniger Strom produzieren und daher auch weniger ins Ausland liefern können. So steigt beispielsweise der für die Schweiz wichtige Handelspartner Deutschland fast gleichzeitig aus der Atom- und aus der Kohlekraft aus.

Bund könnte Strom kontingentieren

Den Ernst der Lage zeigt ein Schreiben des Bundes an rund 30'000 Schweizer Unternehmen. Darin werden laut «NZZ am Sonntag» Firmen mit einem jährlichen Stromverbrauch von über 100'000 Kilowattstunden erstmals instruiert, wie sie sich im Falle einer Strommangellage zu verhalten haben. Im schlimmsten Fall könnte der Bundesrat Kontingente durchsetzen und Unternehmen dazu auffordern, ihren Stromverbrauch um 10 bis 30 Prozent zu reduzieren. Damit es nicht so weit kommt, muss die Schweiz ihre eigenen Produktionskapazitäten erhöhen.

Viele Lösungen im Gespräch

Im Gespräch sind vor allem Gaskraftwerke, die in kurzer Zeit gebaut und in Betrieb genommen werden könnten. Eine Möglichkeit sind grosse Gaskombikraftwerke. In der «Sonntagszeitung» bringt economiesuisse-Präsident Christoph Mäder auch die Kernkraft zurück ins Spiel. Eine andere Möglichkeit ist gemäss «NZZ am Sonntag» der Bau von vielen kleinen Gaskraftwerken mit Wärme-Kraft-Kopplung. Der Vorteil dieser Technologie: Die Kraftwerke könnten in Zukunft auch mit CO2-neutralem Wasserstoff oder synthetisiertem Methan betrieben werden.

Fossile Brennstoffe für Versorgungssicherheit

Das zeigt: Auch bei der Stromproduktion lohnt es sich, die Risiken zu diversifizieren und auf unterschiedliche Technologien zu setzen. Flüssige Energieträger wie Wasserstoff, synthetisierte Kraftstoffe – und vorerst auch noch fossile Brennstoffe – haben den grossen Vorteil, an Ort und Stelle in Tanks gespeichert werden zu können. Sie sind als Notvorräte unabdingbar. Öl und Diesel sind auch zum Betrieb von Notgeneratoren nach wie vor nicht wegzudenken.

Beruhigend ist es ausserdem zu wissen, dass es für Erdölprodukte in der Schweiz eine sogenannte Pflichtlagerhaltung gibt. Das Pflichtlager ist eine Vorratshaltung für lebensnotwendige Güter zur Überbrückung von Versorgungskrisen und Mangellagen. In der Schweiz decken die Pflichtlager bei Benzin, Diesel und Heizöl einen Bedarf von 4,5 Monaten ab, bei Kerosin einen Bedarf von 3 Monaten. Geht es um die Versorgungssicherheit der Schweiz, spielen flüssige Brennstoffe wohl noch eine ganze Weile eine sehr wichtige Rolle.

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