Medien

Naives Wunschdenken

Wer überambitionierte Klimaschutzziele verfolgt und den Ausbau der neuen Erneuerbaren auf Teufel komm raus verfolgt, verkennt die Realitäten, schreibt Giorgio V. Müller in der Neuen Zürcher Zeitung. Noch ist das fossile Zeitalter nicht zu Ende. Deshalb wäre ein schrittweiser Umbau des Energiesystem vernünftig.

In der hiesigen Klimadiskussion fehlt oft die globale Perspektive. In grossen, aufstrebenden Ländern wie China, Indien oder Indonesien bleibt Kohle die nächsten Jahre unabdingbar, um Strom zu produzieren. Der mit Abstand grösste Teil des chinesischen Kraftwerkausbaus der letzten Jahre ging auf das Konto von Kohle. Nicht was wir hier in der Schweiz in Bezug auf Klimaschutz verkünden wird die Klimaerwärmung bremsen - sondern ob und wie rasch sich China und Indien von der Kohle als Energieträger verabschieden.

Die Regierungen übertreffen sich gegenseitig bei der Verkündung ihrer Klimaziele. Alle verkünden CO2-Neutralität - debattiert wird nur noch über das Jahr. Dabei ist nur schon die Stromproduktion aus erneuerbare Quellen eine Illusion. Je mehr witterungsabhängige Produktionsformen zum Einsatz gelangen, desto grösser müssen die Reserve- und Pufferkapazitäten sein. Bereits werden rund 85 Prozent der Investitionen in Energieproduktion aus der staatlichen Kasse, also von der Öffentlichen Hand, alimentiert.

Der Umwelt und dem Klima wäre deutlich mehr geholfen, wenn die Politik in Europa nicht nach Extremlösungen streben würde. Besser wäre es dafür zu sorgen, dass die Stromproduktion anderswo bald sauberer würde. Dazu braucht es eine zuverlässige Energiepolitik, die sich nicht am Wunschdenken orientiert. Der Fokus sollte auf das Machbare gelegt werden und die Innovationskraft der Firmen bestimmt das Tempo.

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