Politik

Politikmarketing statt CO2-Kompensation

Anfang November treffen sich in Glasgow Regierungen, Politiker und Interessenvertreter zur 26. UNO Klimakonferenz. Mit dabei ist auch die Schweiz. Schon bei der Anreise ihrer Verhandlungsdelegation offenbaren sich die Widersprüche der gegenwärtigen Klimapolitik.

  • Am 31. Oktober beginnt die nächste Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Glasgow.
  • Die Schweizer Verhandlungsdelegation reist mit dem Zug nach Schottland. Und braucht dafür fast eine ganze Arbeitswoche.
  • Es stellt sich die Frage, ob dem Klima damit wirklich geholfen ist.

Die «Weltwoche» berichtet über die bevorstehende Klimakonferenz der Vereinten Nationen. Vom 31. Oktober bis am 12. November findet im schottischen Glasgow die 26. UNO-Klimakonferenz statt. Es handelt sich dabei um die Nachfolgekonferenz von Paris 2015 und gilt deshalb als besonders wichtig. Mehr als 190 Regierungen werden über die Klimapolitik der nächsten Jahre verhandeln. Mit dabei ist auch die Schweiz. Bundespräsident Guy Parmelin wird am 1. und 2. November am Treffen der Staats- und Regierungschefs teilnehmen. Doch es sind bei weitem nicht nur die Regierungen anwesend. Die rund zweiwöchige Konferenz ist auch ein Tummelfeld für Beamten und Interessenvertreter.

So umfasst die Schweizer Verhandlungsdelegation nach Berichten der «Weltwoche» insgesamt elf Personen. Das Budget beläuft sich auf 136'500 Franken. Begleitet wird die Delegation unter anderem von Interessenvertretern der Umwelt-NGOs. Eine Frage, die sich stellt: Wie klimafreundlich reisen die Schweizer Teilnehmen an die Klimakonferenz? Wie die «Weltwoche» schreibt, müssen die Angestellten des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) mit dem Zug nach Schottland reisen. Bundesrätin Simonetta Sommaruga wird am 10. November, gleich nach der Bundesratssitzung, mit dem Flugzeug und zwei Begleitpersonen nach Glasgow fliegen. Auch Guy Parmelin wird per Flugzeug an die Klimakonferenz reisen.

Ganz zentral beim Klimaschutz ist die Effizienz. Jeder fürs Klima eingesetzte Franken sollte möglichst viel CO2 einsparen. Das spricht aus Schweizer Sicht sehr für Massnahmen im Ausland, denn in der Schweiz bringt das eingesetzte Geld weniger fürs Klima. Tatsache ist: Symbolpolitik bringt den Klimaschutz nicht weiter. Effizienz sollte auch generell die Leitlinie für staatliches Handeln sein. Wenn die Schweizer Verhandlungsdelegation per Zug anreist, dann spart das zwar auf den ersten Blick CO2 und ist erst noch schönes Marketing.

Allerdings dauert die Reise nach Glasgow gegen 18 Stunden. So kommen allein mit Hin- und Rückfahrt 36 Beamtenstunden zusammen – fast eine Arbeitswoche. Da fragt man sich, ob ein Flug mit CO2-Kompenssation nicht weitaus effizienter gewesen wäre. Denn das Teure an der Reise ist nicht die CO2-Kompensation beim Flug, sondern das sind die Arbeitsstunden, die für die ellenlange Reise eingesetzt werden. So hätte man bei einer Gesamtbetrachtung der Kosten vermutlich mit der Flugreise einiges an Mittel einsparen können. Wären die so eingesparten Kosten voll und ganz in die Klimakompensation investiert worden, wäre der Beamtenausflug nach Glasgow vermutlich sogar CO2-negativ ausgefallen. Das wäre ein echter Beitrag zum Klimaschutz gewesen. Oder geht es an der Klimakonferenz eben doch mehr um Symbolpolitik als um effizienten Klimaschutz? Ist Politikmarketing wichtiger als klimagerechtes Verhalten in einem umfassenden Sinn?

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