Politik

Teures Heizen in Glarus

Der Kanton Glarus hat ein neues Energiegesetz. An der Landsgemeinde wurde entschieden, dass Öl- und Gasheizungen künftig verboten sind. Damit entstehen für viele Hausbesitzer des schattigen Bergkantons hohe Kosten.

  • Im Kanton Glarus konnten Klimaaktivisten ein Verbot von Öl- und Gasheizungen durchsetzen.
  • Den Hausbesitzern drohen Mehrkosten.
  • Fällt der Strom aus, bleibt das Haus kalt.

Die Regierung des Kantons Glarus wollte sein kantonales Energiegesetz anpassen. Geplant waren strengere Auflagen für Hauseigentümer und die öffentliche Hand. So wollte der Kanton der Modernisierung des Gebäudeparks mehr Schub verleihen. Der Vorschlag der Regierung sah vor, dass beim Ersatz von Heizungen künftig ein Anteil an erneuerbarer Energie zu installieren sei. Mit ergänzenden Massnahmen wäre es Hausbesitzern gemäss Regierungsvorschlag also erlaubt gewesen, weiterhin fossile Heizungssysteme einzubauen.

Eigentümliches vor Glarner Bergkulisse

An der Landsgemeinde konnte man dann Eigentümliches beobachten. Obschon Regierung und lokale Medien aufgrund der Corona-Situation von einer eher tiefen Teilnehmerzahl ausgegangen waren, füllte sich der Platz vor der schönen Glarner Bergkulisse kurz vor der Behandlung des Energiegesetzes mit Leuten. Gemäss NZZ ergriff dann der 19-jährige Zivildienstleistende Kaj Weibel aus Mollis das Wort. Er ist Aktivist der Glarner Klimabewegung und führt das Glarner Klimabüro. Weibel stellte den Antrag, das fossile Heizen komplett zu verbieten – und zwar bei Neubauten als auch bei Sanierungen. Und dank der erfolgreichen Mobilisierung wurde sein Antrag von der Landsgemeinde angenommen.

Hohe Mehrkosten für Hausbesitzer

Die Grünen feiern das Verbot fossiler Heizsysteme als das «Wunder von Glarus». Hauseigentümer sind nun von Gesetzes wegen gezwungen ihre bisherigen Heizsysteme zu ersetzen. Für sie bedeutet der Entscheid deshalb hohe Mehrkosten. Als Ersatz werden in Zukunft wahrscheinlich vor allem Wärmepumpen verbaut. Im Winter, der in Glarus durchaus hart sein kann, sind Wärmepumpen vor allem Stromheizungen. Die Schweiz importiert im Winter vor allem Strom aus Kohle- und Gaskraft aus Deutschland. Dem Klima ist damit nur bedingt geholfen – und der Stromverbrauch wird angekurbelt. Dabei spitzt sich die Strom-Versorgungslage in der Schweiz zu. Sie muss immer mehr Strom importieren, wobei unsere Nachbarländer selber immer weniger Strom produzieren. Gut möglich, dass für Importe bald zu wenig Strom vorhanden ist. Fällt der Strom aus, bleibt das Haus kalt.

Wer als Eigentümer auf Nummer sicher gehen möchte, ersetzt sein fossiles Heizsystem wiederum durch ein fossiles System neuster Bauart. Er kann so sofort CO2-Emissionen einsparen, denn neuste fossile Heizsysteme arbeiten sehr effizient. Ein weiterer Vorteil: Die Energie ist – zumindest im Fall von Heizöl – gut speicherbar.

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