Wissen

Wohlstand und Energie

Je reicher ein Land, desto mehr Emissionen. Diese Entwicklung ist seit langem gut belegt. Doch mit dem Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft, vermindert sich dieser Zusammenhang. Die Schweiz ist vorne mit dabei.

Weltweite Daten 2016: CO2-Emissionen pro Kopf (in Tonnen) im Vergleich zum BIP (in USD von 2011)

Das Bruttoinlandprodukt (BIP) beziffert den Gesamtwert aller Güter (Waren und Dienstleistungen) eines Landes innerhalb eines Jahres. Pro Kopf gerechnet bildet es relativ zuverlässig den Wohlstand eines Landes ab. Wenn man diesen Wert mit dem pro Kopf Ausstoss von CO2 im gleichen Jahr vergleicht, wird deutlich, dass ein enges Verhältnis besteht.

Dies hängt mit dem Energieverbrauch zusammen: Länder mit grösserem Wohlstand verfügen in der Regel über mehr Industrieanlagen, mehr Verkehr und mehr Infrastruktur. Dies schafft nicht nur Wohlstand, sondern benötigen auch Energie. Wer die obenstehende Grafik aufmerksam betrachtet, sieht, dass die Schweiz deutlich abseits steht.

Sonderfall Schweiz?

Im Grundsatz stellt die Schweiz kein Sonderfall dar. Natürliche und ökonomische Gesetze gelten hier wie überall auf der Welt. Deshalb lohnt sich ein genauerer Blick auf die Werte der Schweiz.

Historische Daten der Schweiz: CO2-Emissionen pro Kopf (in Tonnen) im Vergleich zum BIP (in 2011 Dollar)

Wenn man die historischen Daten der Schweiz genauer betrachtet, stellt man fest, dass der Zusammenhang von CO2-Ausstoss und BIP pro Kopf weitgehend parallel verläuft. Die starken Schwankungen durch die beiden Weltkriege sind deutlich zu erkennen. Die starke Industrialisierung ab den 1950er Jahren liess nicht nur den Wohlstand, sondern auch den Energieverbrauch ansteigen.

Die Annäherung, die ab den 1980ern zu beobachten ist, kann vor allem durch zwei Entwicklungen erklärt werden: Einerseits brachten Forschung und Innovation immer effizientere Wege zur Nutzung der Energie hervor. Andererseits wandelte sich die Schweiz zunehmend zur Dienstleistungsgesellschaft.

Die Überschneidung der Kurven im Jahr 2007 lässt sich ebenfalls mit diesen Tendenzen erklären. 2018 hat der Anteil des Dienstleistungssektors in der Schweiz 73.6% betragen (Industrie 25.8% und Landwirtschaft 0.7%). Dieser Anteil wächst seit Jahren und wird wohl weiterhin wachsen.

Auch unsere Technologien werden immer effizienter. LED-Leuchten, stromsparende Kühlschränke und modernere Ölheizungen sind einige wenige Beispiele. Auch die Industrie und Verkehrsträger werden immer effizienter und setzen immer öfter konsequent auf CO2-neutrale Technologien.

Hebel für mehr Wohlstand und weniger CO2

Diese Kurven bedeuten natürlich nicht, dass der enge Zusammenhang zwischen Stromverbrauch und Wohlstand in der Schweiz bald nicht mehr gelten wird. Sie sind aber ein starker Hinweis darauf, dass wir schon viel getan haben. Das geschah nicht in erster Linie durch mehr Gesetze, Steuern und Abgaben, sondern durch die Entwicklung der hiesigen Wirtschaft. Ein wichtiges Stichwort lautet hier: Innovationskraft.

Um eine solche Entwicklung auch global zu forcieren, hilft es wenig, die Schrauben in der Schweiz noch enger anzuziehen. Im Gegenteil: Dies würde sich negativ auf den Wohlstand aller Bewohner auswirken. Vielmehr sollte man die Schweiz als Vorbild für die Entwicklung in anderen Ländern betrachten. Dort, wo die Wohlstandskurve nicht nach oben und die CO2-Kurve nicht nach unten zeigen, kann viel getan werden. Jeder Klimafranken ist in diesen Ländern besser investiert und schafft eine bessere Zukunft für uns alle. Mit mehr Wohlstand und weniger CO2.

Weitere Artikel

Newsletter
Anmelden und informiert bleiben.

Impressum Datenschutzerklärung © 2021 Klimagerecht